Der Bund sieht den Schutz der in der Schweiz angebauten Kulturen zunehmend unter Druck. Während die Risiken durch Pflanzenschutzmittel für Umwelt und naturnahe Lebensräume dank Aktionsplan und gesetzlicher Vorgaben sinken, nehmen die Schutzlücken in vielen Kulturen zu.
Wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst LID berichtet, breiten sich neue Schadorganismen aus, bewährte Wirkstoffe fallen weg und Alternativen sind nicht überall verfügbar. Diese doppelte Entwicklung ist der Ausgangspunkt der vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) vorgestellten «Strategie für einen nachhaltigen Schutz der Kulturen 2035».
Der Pflanzenbau ist ein zentraler Pfeiler der Ernährungssicherheit und ein wichtiger Einkommensfaktor der Schweizer Landwirtschaft. Laut BLW liegt der Versorgungsgrad bei 30 bis 35 Prozent, der Produktionswert bei rund 4 Milliarden Franken und soll bis 2035 auf etwa 4,4 Milliarden Franken ansteigen. Ohne wirksamen Kulturschutz drohen jedoch erhebliche Ertragsverluste. Je nach Kultur rechnet das BLW mit Einbussen von 30 bis 40 Prozent, in einzelnen Fällen – etwa bei Kartoffeln durch Krautfäule – sogar mit Totalausfällen.
Gleichzeitig zeigen die Indikatoren zur Risikoreduktion bei Pflanzenschutzmitteln eine positive Entwicklung. Demgegenüber steigt die Zahl der sogenannten Lückenindikationen – fehlende ausreichende Schutzmöglichkeiten gegen bestimmte Schadorganismen. Diese haben laut BLW von unter 100 im Jahr 2000 auf 160 im Jahr 2024 zugenommen. Besonders betroffen sind der Gemüse- und Obstbau. Als Ursachen nennt der Bund unter anderem den deutlichen Rückgang zugelassener Wirkstoffe sowie den zunehmenden Druck durch neue invasive Organismen.
Ziel der auf zehn Jahre angelegten Strategie ist es, die Zahl der Lückenindikationen bis 2035 gegenüber der Referenzperiode 2022–2024 zu halbieren. Die Strategie baut auf dem Konzept des integrierten Pflanzenschutzes auf, der präventive Massnahmen, Entscheidungshilfen, nicht-chemische Verfahren sowie – wenn notwendig – den gezielten Einsatz chemischer Mittel kombiniert. Dazu zählen unter anderem robuste Sorten, angepasste Fruchtfolgen, Prognosesysteme, mechanische Unkrautbekämpfung sowie biologische Gegenspieler.
Kern der Strategie sind zehn Massnahmen. Dazu gehören vier sogenannte Systemmassnahmen: der Aufbau einer nationalen Monitoringplattform, ein Kompetenznetzwerk zur Koordination von Forschung und Entwicklung, ein Demonstrationsnetzwerk zur Erprobung neuer Methoden in der Praxis sowie Zielvereinbarungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ergänzt werden diese durch sechs Massnahmen innerhalb der Pflanzenschutz-Pyramide, darunter kulturspezifische Gesamtstrategien, der Ausbau der biologischen Schädlingsbekämpfung, neue Applikationstechniken sowie Vereinfachungen im Zulassungsverfahren.
Der Bund betont, dass ein wirksamer Kulturschutz nur im Zusammenspiel aller Akteure entlang der Wertschöpfungskette möglich ist – von Landwirtschaft über Forschung und Beratung bis Handel und Konsum. Die Umsetzung der Strategie erfolgt schrittweise, die vollständige Integration ist im Rahmen der Agrarpolitik AP30+ ab 2030 vorgesehen.
Text Quelle: LID, Renate Hodel
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