Digiflux unter Beschuss: Finanzkontrolle stellt dem Projekt ein mangelhaftes Zeugnis aus

Digiflux ist in der Landwirtschaft längst bekannt - umso brisanter sind die Ergebnisse der aktuellen Prüfung durch die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK). In ihrem Bericht kommt die EFK zu einem klaren Schluss: Das Projekt weist erhebliche Mängel in Führung, Steuerung und Kontrolle auf.

Kann der Zeitplan so durchgeführt werden für Digiflux. Das Urteil der Finanzaufsicht fällt vernichtend aus. Bild: Screenshot

Kann der Zeitplan so durchgeführt werden für Digiflux. Das Urteil der Finanzaufsicht fällt vernichtend aus. Bild: Screenshot

Konkret kritisiert die EFK, dass zentrale Aufgaben der Projektleitung ungenügend wahrgenommen wurden. Es fehlten über längere Zeit klare Zieldefinitionen, belastbare Entscheidungsgrundlagen und eine wirksame Kosten- und Risikokontrolle. Trotz steigender Komplexität und wachsendem politischem Druck sei das Projektmanagement nicht ausreichend professionalisiert worden.

Besonders problematisch: Die geplante Nutzung und der konkrete Mehrwert der gesammelten Daten seien weiterhin nicht klar definiert. Damit bleibe offen, wie die umfangreichen Meldedaten tatsächlich zu besseren politischen Entscheidungen oder zu einer Reduktion von Umweltbelastungen beitragen sollen. Aus Sicht der EFK erschwert diese Unklarheit auch eine fundierte Beurteilung von Datenschutz, Zweckmässigkeit und Verhältnismässigkeit des Systems.

Hohe Kosten, unklare Wirkung

Mit geplanten Kosten von rund 19 Millionen Franken zählt Digiflux zu den grösseren IKT-Projekten (Informations- und Kommunikationstechnologie) im Agrarbereich. Die EFK bemängelt, dass Kosten, Termine und Leistungen nicht ausreichend aufeinander abgestimmt seien und dass Risiken zu spät oder nur ungenügend adressiert wurden. Das erhöhe die Gefahr weiterer Verzögerungen, Mehrkosten und Akzeptanzprobleme.

Auch die Einbindung der Praxis wird kritisch beurteilt. Laut EFK bestehen Defizite bei Dokumentation, Support und Schulung. Rückmeldungen aus der Landwirtschaft zeigen bereits heute Frustration über zusätzliche administrative Belastung, technische Unklarheiten und fehlende Unterstützung – ein heikler Befund, da Digiflux in den kommenden Jahren für breite Kreise obligatorisch werden soll.

Politisch umstrittene Pflicht mit schwacher Umsetzung

Die Kritik der Finanzkontrolle fällt in eine Phase, in der Digiflux politisch ohnehin unter Druck steht. Parlamentarische Vorstösse zielen darauf ab, Teile der Meldepflicht wieder aus dem Gesetz zu streichen. Die EFK-Ergebnisse verleihen diesen Diskussionen zusätzliches Gewicht: Ein verpflichtendes System mit unklarer Wirkung und mangelhafter Umsetzung gefährdet Vertrauen und Akzeptanz.

Für unternehmerisch geführte Betriebe stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie viel zusätzliche Bürokratie ist gerechtfertigt, wenn Nutzen, Effizienz und Zielerreichung nicht überzeugend nachgewiesen sind?

 

Hier finden Sie alles, was Sie zu Digiflux wissen müssen, die Meinung der Geschäftsführerin Kirsten Müller sowie eine Kurznews zur Motion Kolly.

Einen ausführlichen Bericht finden Sie im Schweizer Bauer, auf diesem Link

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