Hoduflu-Ablösung mit gravierenden Mängeln

Während die Politik Erleichterungen in Aussicht stellt, sorgt die Ablösung von Hoduflu durch Digiflux in der Praxis für erheblichen Ärger.

Elementare Inhalte wurden von Digiflux aus dem Hoduflu nicht übernommen zum Beispiel Nährstoffgehalte für bestimmte Produkte wie Mist. Fazit: Düngebilanzen können nicht gerechnet werden. (Bild: kim)

Elementare Inhalte wurden von Digiflux aus dem Hoduflu nicht übernommen zum Beispiel Nährstoffgehalte für bestimmte Produkte wie Mist. Fazit: Düngebilanzen können nicht gerechnet werden. (Bild: kim)

Die Umstellung wurde mehrfach verschoben: Ursprünglich war sie auf den 1. März 2026 geplant, danach folgten Termine am 1. Juni, Ende Juni, in der zweiten Augusthälfte und schliesslich Ende August. Anfang September wurde den Betrieben mitgeteilt, dass Hof- und Recyclingdüngerlieferungen ab sofort ausschliesslich über Digiflux zu melden sind. Mit jeder Verschiebung änderten sich die Informationen zu Registrierung, Aktivierungscode, Datenübernahme und zur Frage, wie lange Hoduflu noch genutzt werden kann.

Das BLW hatte wiederholt zugesichert, dass bestehende Produkte sowie offene und abgeschlossene Buchungen vollständig aus Hoduflu übernommen würden. Die Realität sieht anders aus. Die häufigsten Rückmeldungen aus der Praxis:

  • Die Aktivierungscodes wurden verspätet versandt, teilweise erst nach der Umstellung; in der Westschweiz wurde zudem eine deutsche Version verschickt.
  • Hoduflu war ab dem 1. September nicht mehr zugänglich, obwohl Digiflux noch nicht funktionstüchtig ist.
  • In Hoduflu hinterlegte Produkte wie Mist und Gülle samt Nährstoffgehalten und Berechnungen stehen in Digiflux nicht zur Verfügung.
  • Verschiedene Produkte fehlen ganz oder weisen unvollständige beziehungsweise fehlerhafte Nährstoffgehalte auf.
  • Lieferungen können nicht korrekt erfasst werden, weil Produkte fehlen und Nährstoffgehalte weder ergänzt noch angepasst werden können.
  • Ansichten, Menüs und Zugriffsrechte ändern sich laufend; die Benutzeroberfläche wechselt zudem zwischen Deutsch und Englisch.

In das Projekt wurden bisher rund 10 Mio. CHF investiert.

Das unternimmt der Verband

Wir haben umgehend auf höchster Ebene das Gespräch mit dem Schweizer Bauernverband (SBV) gesucht. In einem gemeinsamen Schreiben an BLW-Direktor Christian Hofer haben SBV und Verband Lohnunternehmer Schweiz differenziert die Mängel aufgeführt, die innert zweier Tage aus den Rückmeldungen der Praxis zusammengetragen worden waren. Das BLW hat zugesichert, die Punkte zeitnah zu prüfen. Da die Mängel bislang nicht behoben werden konnten, haben wir das BLW erneut schriftlich auf die Dringlichkeit einer raschen Lösung hingewiesen. Die Mängelliste muss nun unverzüglich, vollständig und mit verbindlichen Fristen abgearbeitet werden. Zudem haben wir um ein Gespräch mit dem BLW-Direktor gebeten. Dieserlehnte es jedoch ab und verwies auf die Fachebene. (Stand 15. Oktober 2026)

Eure Erfahrungen sind gefragt

Mittlerweile hat das BLW eine Taskforce eingesetzt, die die technischen Mängel erfassen und priorisieren soll. Die erste Sitzung des erweiterten Kompetenzkreises hat deutlich gemacht, wie umfangreich die Probleme sind und welch grosse Aufgabe ihre Behebung darstellt. Eine Rückkehr zu Hoduflu schloss BLW-Mitarbeiter Ryan Studer kategorisch aus. Einen Zeitplan für die Behebung der Mängel konnte er nicht nennen. Die Kerngruppe soll sich ab sofort wöchentlich treffen.

Der Ärger und Frust an der Basis – insbesondere in einem für unsere Branche ohnehin sehr schwierigen Jahr – sind absolut verständlich. Wir nehmen eure Anliegen ernst, bündeln die Rückmeldungen und setzen alles daran, gegenüber den zuständigen Stellen den grösstmöglichen Druck aufzubauen. Bitte meldet uns weiterhin Probleme und konkrete Erfahrungen mit Digiflux. Je konkreter die Rückmeldungen, desto besser können wir sie systematisch erfassen, als nachvollziehbare Belege gegebenenfalls beim BLW einreichen und eure Interessen vertreten.

Autorin/Bild: Kirsten Müller

"Das Vertrauen in das Bundesamt für Landwirtschaft ist auf einem Tiefpunkt angekommen. Wir erwarten vom BLW eine transparente Aufarbeitung der Ursachen und die Übernahme der Verantwortung für die Mängel in der Projektumsetzung."

Fernand Andrey, Vizepräsident

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