Unsere Präsidentin im Interview: «Lohnunternehmer haben den grössten Hebel in der Landwirtschaft»

Hohe Investitionen, Fachkräftemangel und strenge Auflagen setzen Lohnunternehmer unter Druck. Verbandspräsidentin und Ständerätin Johanna Gapany erklärt im Interview, wie sie die Branche politisch stärkt und warum genau diese Betriebe der Motor für eine zukunftsfähige Schweizer Landwirtschaft sind.

Setzt sich auf politischer Ebene für die wirtschaftlichen Interessen und eine zukunftsfähige Lohnunternehmer-Branche ein: Verbandspräsidentin Johanna Gapany. (Bild: zVg, Raphael Hünerfauth)

Setzt sich auf politischer Ebene für die wirtschaftlichen Interessen und eine zukunftsfähige Lohnunternehmer-Branche ein: Verbandspräsidentin Johanna Gapany. (Bild: zVg, Raphael Hünerfauth)

Interview von Martina Graf für den Landwirtschaftlichen Informationsdienst.  

Was ist aktuell die grösste Führungsherausforderung?

Johanna Gapany: Wir haben eine sehr heterogene Mitgliedschaft von kleinen Familienbetrieben bis zu grösseren Unternehmen, die teils in Konkurrenz stehen. Es gilt, das gemeinsame Interesse zu bündeln, gleichzeitig ihre wirtschaftliche Realität in der Agrar- und Klimapolitik wirksam zu vertreten und an den entsprechenden Stellen zu platzieren. Dabei müssen wir starke saisonale Auslastungsschwankungen, Kostendruck und den Fachkräftemangel in eine konsistente Verbandsstrategie übersetzen.

Welche Entscheidung haben Sie zuletzt getroffen, die Ihre Organisation wirklich verändert hat?

Johanna Gapany: Erstens, wir treffen die Entscheidungen gemeinsam im Vorstand. Zweitens ist es nicht meine Organisation, sondern die der Lohnunternehmerbetriebe, deren Interessen ich gern kraft meines Amtes vertrete.
Ich für meinen Teil betrachte die Öffnung gegenüber der Westschweiz und das nationale Wachstum unseres Verbandes als Erfolg. Hinzu kommen die Anerkennung der Ausbildung für Pflanzenschutzmittel und der unermüdliche Einsatz unseres Verbandes für eine realistische und tragbare Version von Digiflux.

Wie bereiten Sie den Verband Schweizer Lohnunternehmer auf eine Zukunft vor, die zunehmend unsicher und dynamisch ist?

Johanna Gapany: Indem wir gezielt in Aus- und Weiterbildung, Vernetzung und Digitalisierung investieren. Sowohl in der Geschäftsstelle als auch auf den Lohnbetrieben ist dies bereits in der Umsetzung. Unser Ziel ist eine anpassungsfähige Branche, die auch bei volatilen Märkten, sich ändernden Umweltauflagen und technologischem Wandel leistungsfähig bleibt.

Wo spüren Sie den stärksten Druck: im Markt, beim Menschen oder im Mindset?

Johanna Gapany: Den stärksten Druck spüren wir ganz klar im Markt: Die Kombination aus hohen Investitionen in modernste Technik, steigenden Maschinen- und Finanzierungskosten und volatilen Preisen trifft uns. Direkt danach kommt der Mensch – Fachkräftemangel, anspruchsvolle Arbeitszeiten und ungelöste Nachfolgefragen verschärfen diesen wirtschaftlichen Druck spürbar.
Das Mindset ist für die Lohnunternehmer ein entscheidender Hebel und das stimmt! Das Wort «Lohnunternehmer» beinhaltet das Wort «unternehmen» und genau das spiegelt diese Arbeitsgruppe wider. Sie hinterfragt ihre Geschäftsmodelle, sucht Kooperationen, ist offen für die neuesten Entwicklungen. Die Lohnunternehmer sind diejenigen, die den grössten Hebel in Sachen Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit haben, zum Beispiel beim Ausbringen von Hofdünger, Pflanzenschutz, Saattechniken und so weiter.

 

Quelle: Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID 

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