Der gelernte Reifenfachmann Raphael Ochsner, Gebietsverkaufsleiter bei Michelin Suisse SA, wagt eine Prognose, wo die Pneubranche in zehn Jahren stehen wird – und verrät, welche Musik er am liebsten hört, ob beim Autofahren oder Grillieren.

Nach meiner Lehre als Hauswart bin ich ins Militär gegangen. Danach zog es mich in die Fahrzeugbranche. Ich habe bei einem Pneuhändler geschnuppert und kam so das erste Mal mit der Branche in Berührung. Daraufhin entschied ich mich für die Ausbildung zum Reifenfachmann.
Für viele Menschen ist der Reifen einfach etwas Schwarzes, Rundes mit einem Loch in der Mitte. Doch er ist viel mehr als das. Wenn man es sich bewusst macht: Ohne das Runde keine Fortbewegung. Ein Reifen besteht aus mehr als 200 verschiedenen Komponenten, die Fahrkomfort, Spritverbrauch, Abrieb und auch die Bodendruckthematik beeinflussen. Und genau da bin ich bei der Landwirtschaft. Mich fasziniert, dass ein so alter Beruf mit viel Tradition im Handwerk dank modernster Technologie zu enormer Effizienz fähig ist – immer mit dem Fokus, Nahrungsmittel zu produzieren. Der Grundjob hat sich eigentlich nicht verändert, aber die Dimensionen haben sich verschoben. Und wir in der Pneubranche entwickeln unsere Produkte entsprechend den Bedürfnissen weiter.
Es gibt eine Unmenge an verschiedenen Produkten, und jeder sagt, er habe das Beste. Den exakt passenden Pneu für den jeweiligen Einsatz zu wählen, ist nicht trivial. Es braucht gute Beratung und fundierte Produktkenntnisse. Zudem muss auch der After-Sales-Service stimmen, zum Beispiel für die Empfehlung des richtigen Luftdrucks für die Arbeiten oder auch in Gewährleistungsfragen.
Ein kurzer Blick zurück: Bereits im Jahr 2004 haben wir den ersten Reifen mit VF-Standard im Markt eingeführt. Die patentierte Michelin-Ultraflex-Technologie kommt hier zur Anwendung und ist Garant für niedrigere Luftdrücke und die Karkassflexibilität auf Dauer. Andere und hitzeresistentere Materialien kommen hier zum Einsatz und sorgen für bessere Bodenschonung sowie niedrigeren Kraftstoffverbrauch. Seither entwickeln wir die Technologie stetig weiter.
Der Spalt zwischen Hochqualitätsreifen und günstigen Reifen wird immer grösser werden. Zudem wird die Reifenwahl in der Präzisionslandwirtschaft ein entscheidender Faktor sein. Der Reifen ist das einzige Element des Trägerfahrzeugs, das direkt mit dem Boden in Kontakt kommt. Die Lohnunternehmer sind dafür seit Längerem sensibilisiert. Dazu kommt die Diskussion um den Abrieb. Wir sind seit Längerem daran, die Gummimischungen sowie Profile zu optimieren, und wollen bis zum Jahr 2050 alle Reifen vollständig aus erneuerbaren, recycelten Materialien herstellen.
Für uns sind sie klar die Speerspitze der Landwirtschaft. Sie übernehmen immer stärker auch eine beratende Funktion und beeinflussen mit ihrem Wissen die Landwirtschaft positiv und zukunftsorientiert.
Japan ist mir besonders nachhaltig im Gedächtnis geblieben, und zwar, weil es genauso ist wie in der Landwirtschaft: Tradition wird zwischen modernsten Hochhäusern bewahrt. Die Japaner schützen dieses Gut. Ein weiteres Highlight dort war der Bullet Train, der mit über 300 km/h von A nach B fährt.
Im Moment viel beim Arbeiten am Haus und sonst bei einem gemütlichen Grillabend zu Hause mit guter Musik, Punk- oder Hardrock und Country.
Interview/Foto: Kirsten Müller
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