Digitalisierung soll Arbeit erleichtern. Doch wenn Lieferungen blockiert sind, Daten nicht auffindbar und Betriebe am Verzweifeln, läuft etwas grundlegend falsch. Die Umstellung von Hoduflu auf Digiflux ist ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn eine Plattform an der Praxis vorbei eingeführt wird.

Besonders stossend ist der Umgang des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) mit der Kritik. Statt die Probleme von Beginn an ernst zu nehmen, wurden sie zunächst bagatellisiert. Erst nach 40 Tagen reagierte das Amt. Hätten die Verantwortlichen rechtzeitig reagiert, hätte das BLW den Rückwärtseingang zu Hoduflu noch einschlagen können – ein Versäumnis, das inzwischen selbst die BLW-Führungsebene einräumt. Inzwischen ist klar: Es geht nicht um einzelne Kinderkrankheiten, sondern um eine Grossbaustelle. Eine Taskforce soll nun die Fehler priorisieren. Bei einer Plattform, die im laufenden Landwirtschaftsbetrieb funktionieren muss, ist das ein alarmierendes Eingeständnis. Während das BLW priorisiert, stapeln sich bei den Lohnunternehmen die Lieferbelege. Kunden warten auf Meldungen, Nährstoffbilanzen bleiben unvollständig.
Das Vertrauen in das BLW ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Wer berechtigte Warnungen zunächst herunterspielt, muss sich fragen lassen, ob er die Tragweite der Probleme überhaupt erkannt hat. Lohnunternehmen und Landwirtschaftsbetriebe sind Anwender – nicht die ausgelagerte Qualitätssicherung des Bundes. Sie haben die Fehler dokumentiert. Jetzt muss das Amt liefern.
Unsere Forderungen sind klar: Das BLW muss die Verantwortung für die misslungene Einführung übernehmen, einen verbindlichen Zeitplan zur Fehlerbehebung vorlegen und transparent über Fortschritte informieren. Kein Betrieb darf wegen technisch nicht möglicher Meldungen sanktioniert oder anderweitig benachteiligt werden. Und die Taskforce muss konkrete Ergebnisse liefern, statt lediglich Lippenbekenntnisse abzugeben. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss Abläufe vereinfachen, nicht zusätzliche Arbeit und Unsicherheit schaffen. Die Landwirtschaft braucht verlässliche Werkzeuge – keine Pflichtprogramme, bei denen die Praxis nach der Einführung herausfinden muss, was alles nicht funktioniert.
Ihre
Kirsten Müller
"Die Fehlerkultur im Bundesamt für Landwirtschaft hat Potenzial."
Kirsten Müller, Geschäftsführerin Verband Lohnunternehmer Schweiz
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